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Innovation Day 2019

26.03.2019 | 4 Minuten Lesezeit
Theresa Wieser

Zum bereits 7. Mal fand im März in der Packworld in Oberwaltersdorf der Greiner Packaging Innovation Day statt: Unter dem Thema „Transitioning to a circular economy. Are you ready?“ beschäftigten sich knapp 200 Teilnehmer aus 15 verschiedenen Nationen mit den Herausforderungen und Chancen einer Kreislaufwirtschaft im Kunststoffbereich.

Greiner Packaging CEO Manfred Stanek eröffnete die Veranstaltung mit einem Rückblick: Viel sei in den letzten Monaten auf EU-Ebene im Kunststoffbereich passiert, Regularien und Vorgaben würden auch in den kommenden Monaten noch weiter zunehmen. Doch auch wenn Kunststoff im Moment stark kritisiert werde – die Produktion befinde sich auf einem Allzeithoch, durch eine wachsende Bevölkerung und eine weltweit wachsende Mittelschicht werde die Anzahl von Verpackungen auch weiterhin steigen. Die Branche müsse deshalb umso mehr Verantwortung übernehmen. Es sei an der Zeit, dass die gesamte Wertschöpfungskette zusammenarbeite und ihren Beitrag leiste.

Sechs Experten, sechs Einblicke in die Branche

Moderator Daniel Cronin, Co-Founder von Austrian Startups, führte durch den Tag, in dessen Mittelpunkt die Vorträge von sechs Fachexperten standen. Thomas Reiner, Gründungsmitglied und CEO der Unternehmensberatung Berndt+Partner, präsentierte seine Überzeugungen zur Zukunft der Verpackungswirtschaft und hielt dabei fest, dass nachhaltige Verpackungen neue Materialien und neue Strukturen brauchen. Jeder einzelne müsse einen Beitrag leisten, nur so könne ein positives Ergebnis erzielt werden. Auch Jim Armstrong, Mitglied des Verwaltungsausschusses der Plastics Recyclers Europe, betonte, dass der Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft nur als Teamleistung möglich sei. Um die Recyclingfähigkeit von Kunststoffverpackungen zu erhöhen, müsse beim Design angesetzt werden – mit dem von ihm vorgestellten Tool „RecyClass“ können Verpackungen analysiert und ihre Recyclingfähigkeit optimiert werden. Pavel Komurka, Packaging Innovation & Sustainability Coordinator beim norwegischen Mischkonzern Orkla, berichtete aus der Sicht des Markenartikelunternehmens. Kunststoff werde für Orkla auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, bedeutend sei aber, wie damit umgegangen werde. Verpackungen müssten nicht nur rezyklierbar sein, sondern im Idealfall auch bereits aus recyceltem Material hergestellt werden. Orkla hat sich diesbezüglich ehrgeizige Ziele gesetzt, noch gebe es aber viel zu tun. Jürgen Priesters, Business Development Director von TOMRA Systems, konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die Sortierung des Abfalls. Das Sammeln von Müll funktioniere in Europa bereits hervorragend, scheitern würde das Recycling derzeit vor allem an der ungenauen Sortierung. Sortenreine Stoffströme könnten im Moment nicht gewährleistet werden, viel zu viele Kunststoffverpackungen würden noch im Restmüll landen. Auch er sieht das Verpackungsdesign als Ausgangsbasis für verbessertes Recycling. Josef Simon, Vorstand Produktion & Technik der NÖM AG, betonte den Produktschutz, den Verpackungen auch unter Miteinbezug aller Recyclingfähigkeiten leisten müssten. Kunststoff- und Materialeinsparungen an sich hätten auch in seinem Unternehmen oberste Priorität, darüber dürfe aber die Grundfunktion einer Verpackung nicht vergessen werden. Manfred Tacker, Studiengangsleiter für Nachhaltiges Ressourcenmanagement am FH Campus Wien, betonte ebenfalls die Bedeutung eines veränderten Verpackungsdesigns für den Erfolg der Kreislaufwirtschaft. In jedem Land gelten unterschiedliche Reglementierungen, was recyclingfähig sei und was nicht, sei nicht fix festgelegt und für globale Unternehmen deshalb schwierig zu beurteilen. Gemeinsam mit Partnern habe er deshalb Richtlinien entwickelt, die als Empfehlung zur Verpackungsentwicklung herangezogen werden können.

Podiumsdiskussion: Kreislaufwirtschaft nur ein Traum?

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die realen Erfolgschancen einer Kreislaufwirtschaft diskutiert. Manfred Stanek strich dabei die Verantwortung der Branche hervor, diese habe das nötige Know-how, um Dinge zu bewegen. Jim Armstrong nahm ebenfalls die Industrie in die Pflicht – diese müsse den Konsumenten Hilfestellungen anbieten, die Verantwortung auf den Einzelnen abzuwälzen, werde nicht funktionieren. Jürgen Priesters sprach sich dafür aus, Überzeugungsarbeit in puncto Rezyklate zu leisten. Viele Unternehmen scheuten im Moment noch vor deren Einsatz zurück, zu schlecht sei das Image hinsichtlich Optik und Geruch. Auch das Sammelsystem in Europa sollte überdacht werden, zu viele unterschiedliche Trennmöglichkeiten würden nur Verwirrung schaffen. Manfred Tacker strich hingegen die globale Erwärmung als Hauptthema der kommenden Jahre hervor, Kreislaufwirtschaft sei nur ein Aspekt, der berücksichtigt werden müsse.

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