Alternatives Material, Nachhaltigkeit, Recycling, Kreislaufwirtschaft

Ein erweitertes Materialportfolio – Teil 1, Recyclingmaterialien

20.05.2021 | 3 Minuten Lesezeit
Helmut Haberleitner

Neudenken in puncto Materialien. Umdenken in Sachen Design: Wenn wir über den Einsatz alternativer Materialien sprechen, gilt es auch die aktuellen Entwicklungsstände, Verfügbarkeiten, Potenziale, Rahmenbedingungen und Zulassungen bei diesen Materialien zu berücksichtigen. Denn diese sind ebenso unterschiedlich, wie die Möglichkeiten, die sie als Rohmaterial für nachhaltige Verpackungen bieten. Hier ein Überblick:

Alles recycelt?

Die Idee: Recycelter Plastikmüll wird wiederaufbereitet und für die Produktion neuer Verpackungen eingesetzt. Was einfach klingt, ist in der Umsetzung jedoch recht komplex:

Je nach Abfalltype gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die für das Recycling von Kunststoffen sinnvoll eingesetzt werden. Zwei grundsätzliche Stoßrichtungen sind etwa mechanisches und chemisches Recycling. Mechanisches Recycling verzeichnet im Vergleich einen geringeren Energieaufwand und damit besseren CO2-Fußabdruck, kann jedoch nur sortenreine Kunststoffe verarbeiten. Um wirtschaftlich effizient zu sein, müssen diese außerdem in ausreichender Menge vorhanden sein. Chemisches Recycling auf Pyrolyse-Basis hingegen, kann auch gemischte und verschmutzte Wertstoffe verarbeiten. Für mechanisch recycelte Kunststoffe ist in Europa eine positive Opinion der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) eine Grundlage, dass das Material in Kontakt mit Lebensmitteln gebracht werden darf. Diese besteht aktuell, mit wenigen speziellen Ausnahmen, nur für r-PET.

Chemisch recyceltes Material wird aktuell, ebenso wie erneuerbare Materialien nach dem Massebilanz-Ansatz eingesetzt: Kunststoff-Verpackungs-Hersteller erwerben ein Zertifikat für einen Materialstrom, durch das sie einen Beitrag zum Einsatz von chemisch recyceltem oder erneuerbarem Material leisten.  Dieses Zertifikat gewährleistet die Rückverfolgbarkeit des Materials über die gesamte Lieferkette hinweg. Bei Greiner Packaging sind die ersten Standorte bereits nach ISCC PLUS zertifiziert. Greiner Packaging sieht für die Zukunft eine Kombination aus chemischem und mechanischem Recycling als am Wahrscheinlichsten an. Aber auch andere Recycling-Verfahren könnten vermehrt Platz am Markt finden, etwa enzymatisches und physikalisches Recycling.

 

Status Quo: r-Materialien

r-PET

Polyethylenterephthalat (PET) kann sowohl mechanisch als auch chemisch recycelt werden. Aus beiden Verfahren geht Recycling-Material hervor, das für Lebensmittelanwendungen geeignet ist. Der hohe Reinheitsgrad des recycelten Materials basiert auf den guten Recycling-Strömen aus PET-Flaschen, die in Form von Flakes oder Pellets verarbeitet werden. Generell können Verpackungen aus bis zu 100 % mechanisch recyceltem r-PET bestehen, jedoch nur aus bis zu 50 % chemisch recyceltem r-PET, da es im Moment noch keine Granulate aus 100 % chemisch recyceltem Material gibt.

Greiner Packaging sieht großes Potenzial in r-PET. Aktuell wird etwa an ersten Lösungen für r-PET Verpackungen für Molkereiprodukte gearbeitet, die auch der Hochtemperatursterilisation (HTS) vor dem Abfüllen der Produkte standhalten. Darüber hinaus bauen wir aktuell ein Standard-Portfolio für r-PET Becher in unterschiedlichen Größen auf

Schon 2019 erzeigte Greiner Packaging Ketchup- und Saucen-Flaschen mit variierenden r-PET-Anteilen.

r-HDPE

Mechanisch recyceltes Polyethylen (PE) mit hoher Dichte, also HDPE verfügt über eine FDA-Recycling-Nummer, jedoch (bis auf wenige Ausnahmen) noch über keine positive Bewertung der EFSA und ist damit weitgehend nicht für den Lebensmittelkontakt einsetzbar. Aktuell werden vor allem Verpackungen für einige Kosmetikprodukte aber auch Reinigungsmittel aus mechanisch recyceltem HDPE hergestellt. Chemisches Recycling von PE wird voraussichtlich in den nächsten Jahren relevant werden.

Verpackungen für Kosmetikprodukte werden aus bis zu 100% r-HDPE erzeugt.
 

r-PP

Alleine in Europa werden jährlich etwa 10 Mio. Tonnen Polypropylen (PP) verarbeitet, davon etwa 4 Mio. Tonnen zu Consumer Packagings. PP bietet daher großes Potenzial für die Erschließung nachhaltiger Materialströme. An einer positiven EFSA-Opinion für r-PP aus mechanischem Recycling wird intensiv gearbeitet, aktuell beschränkt sich der Einsatz des Recycling-Materials aber auf den Non-Food-Bereich. Das Angebot von chemisch recyceltem Polypropylen wird in den nächsten Jahren in der Europäischen Union ausgebaut werden und steht in begrenzten Mengen auch bereits für den Einsatz von Verpackungen im Lebensmittelbereich zur Verfügung.

Henkel setzt bei Waschmittel-Verpackungen auf den Einsatz von r-PP.

r-PS

Polystyrol (PS) bietet großes Potenzial für mechanisches Recycling: Durch Sortier- und Recyclingprozesse kann ein hoher Reinheitsgrad erreicht werden und die Migrationseigenschaften von PS sind geringer als jene der Polyolefine. Zudem gilt PS als sehr gut sortierbar und die geringe Anzahl an unterschiedlichen Qualitäten bei Neumaterial wirkt sich positiv auf die Einsetzbarkeit des Feedstocks aus. Auf Basis der Ergebnisse mehrerer „Challenge Tests“ wurde bereits ein Dossier für eine EFSA-Opinion eingereicht, die, ebenso wie die Etablierung von Recycling-Strömen, entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von mechanisch recyceltem PS in Zukunft sein wird.  Bei chemischem Recycling wird auf Basis des Massebilanz-Ansatzes die Lebensmittelkonformität von Produzenten bestätigt.

Erfolgreich getestet gemeinsam mit M-Industrie: Joghurtbecher aus mechanisch recyceltem PS.  

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