Material, Kreislaufwirtschaft

Einblicke aus dem Handel: Tesco’s Sicht auf nachhaltige Verpackungen

10.12.2025 | 4 Minuten Lesezeit

Bei Greiner Packagings Future Packaging Day hielt Paul Earnshaw, Lead Packaging Manager bei Tesco – dem größten Einzelhändler Großbritanniens – eine Keynote, die praxisnah zeigte, wie der Handel die komplexe Welt nachhaltiger Verpackungen navigiert.

Er begann mit dem Satz „Zu viel Plastik, zu viel Verpackung.“ Ein Ausruf, der die Sorgen vieler Verbraucher auf den Punkt bringt. Doch wie Earnshaw erläuterte, entspringt diese Frustration häufig weniger fundiertem Wissen als echter Unsicherheit. Was bedeutet nachhaltige Verpackung wirklich? Geht es darum, Plastik konsequent zu vermeiden? Karton einzusparen? Oder vor allem die Recyclingfähigkeit zu gewährleisten?

Dem Verbraucher zuhören: Der Ruf nach Einfachheit

Um dies zu verdeutlichen, brachte Earnshaw ein Beispiel: Mülltonnen in verschiedenen Ländern. Obwohl die Farben ähnlich waren, unterschieden sich ihre Bedeutungen erheblich. Was in einem Land in die grüne Tonne gehört, gilt anderswo als nicht recycelbar. Diese Inkonsistenz, so Earnshaw, schafft Hürden für Verbraucher, die eigentlich das Richtige tun wollen. „Wir müssen es für den Kunden völlig intuitiv machen“, betonte er. „Es muss wirklich einfach sein.“

Dieser Ruf nach Einfachheit ist nicht nur eine Designpräferenz, sondern eine strategische Notwendigkeit. Für Tesco beginnt Zugänglichkeit bei klarer Kommunikation und benutzerfreundlichen Systemen – und bei der Aufklärung der Verbraucher.

„Plastik wird immer noch als die unsichere Verpackung angesehen, was nicht stimmt. Wir müssen die Verbraucher darüber informieren, dass Plastik genauso nachhaltig sein kann wie Papier oder Glas.“

Tesco arbeitet aktiv daran, diese Wissenslücke durch Webinare und Podcasts zu schließen. Ziel ist es, zu klären, was Verpackungen wirklich nachhaltig macht und wie Unternehmen und Verbraucher gemeinsam zu Veränderungen beitragen können.

Interview mit Paul Earnshaw

In einem Interview erklärt Paul Earnshaw, wie die Zukunft der Verpackungsindustrie aussehen könnte und welche Herausforderungen er derzeit sieht.

Das RAG-System als Entscheidungshilfe

Klarheit und Einheitlichkeit sind zentrale Anforderungen – und genau diese Bedürfnisse bilden die Grundlage für Tescos internes System zur Bewertung von Verpackungen. Im Rahmen seines umfassenden Nachhaltigkeitsprogramms, des Planet Plan, verfolgt der britische Einzelhändler ambitionierte, aber klar umsetzbare Ziele:

  • Alle Verpackungen müssen recycelbar sein
  • Papier und Karton sollen aus nachhaltigen Quellen stammen,
  • und unnötige Verpackungen sollen vollständig vermieden werden.

Um diese Vorgaben intern konsequent umzusetzen, setzt Tesco auf das sogenannte RAG-System (Red–Amber–Green) – ein Ampelmodell, das Verpackungsmaterialien und -formate nach ihrer Umweltwirkung kategorisiert. Materialien in der Kategorie Rot sind aufgrund ihrer schlechten Rezyklierbarkeit verboten, wie etwa schwarze Kunststoffe. Amber-Materialien, darunter Barrierepapiere oder flexible PET-Folien, erfordern eine vorherige Freigabe. Bevorzugt werden dagegen grüne Materialien wie PET, Polyethylen und Polypropylen, die sich gut recyceln lassen.

Das System beeinflusst jedoch nicht nur die Materialauswahl, sondern auch die Gestaltung von Verpackungen. So muss beispielsweise shelf-ready packaging (SRP) effizient ausgelegt sein – mit Gebindegrößen, die Regal- und Palettenplätze optimal ausnutzen. Diese Entscheidungen zeigen, wie Tesco Nachhaltigkeit mit logistischer und wirtschaftlicher Praxis in Einklang bringt.

Von der Theorie zur Praxis: Einblicke aus dem Q&A

Während das RAG-System Struktur bietet, wirft die Umsetzung oft Fragen auf. Im Q&A bestätigte Earnshaw die Nutzung innovativer Verpackungslösungen wie K3® r100 aufgrund der erhöhten Recyclingfähigkeit. Zudem betonte er die Zusammenarbeit mit Lieferanten bei Pilotprojekten und die Notwendigkeit von Einfachheit – besonders für Einkäufer ohne technischen Hintergrund: „Halten Sie Informationen wirklich einfach für uns und vor allem für den Einkäufer.“

Ein besonders ehrlicher Moment: Was ist Verbrauchern bei Verpackungen am wichtigsten? Earnshaw: „Der Preis. Alle Nachhaltigkeitsmaßnahmen müssen kostenneutral sein.“ Diese Realität prägt Tesco‘s Ansatz: Nachhaltigkeit muss wirtschaftlich tragfähig sein – für Unternehmen und Kunden.

Fazit

Earnshaws Botschaft: Nachhaltigkeit ist keine rein technische Herausforderung, sondern eine gemeinsame Verantwortung. Seine Keynote war ein Aufruf zum Handeln: „Wir alle können einen Unterschied machen. Wir haben die Macht und die technische Fähigkeit, das Richtige zu tun.“

Auch bei Greiner Packaging teilen wir diese Überzeugung. Verpackung ist mehr als ein Behälter – sie spiegelt unsere Werte wider. Wir bleiben engagiert, Lösungen zu entwickeln, die nachhaltig, praktisch und skalierbar sind – im Einklang mit den Bedürfnissen unserer Kunden und unseres Planeten.

Interview mit Paul Earnshaw

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