Material, Kreislaufwirtschaft

Future Packaging Day 2025: Navigating Change, Creating Impact

20.11.2025 | 8 Minuten Lesezeit
Peter Dobosz

Am 13. November 2025 wurde der Future Packaging Day von Greiner Packaging in der Packworld in Oberwaltersdorf bei Baden bei Wien erstmals unter seinem neuen Namen veranstaltet. Damit führt das Unternehmen die langjährige Tradition des Innovation Day fort – in einem frischen Auftritt, der den Wandel in der Branche widerspiegelt. Unter dem Motto „Navigating Change, Creating Impact“ diente die Veranstaltung erneut als Plattform für zukunftsweisende Impulse in der Verpackungsbranche. Dabei brachte Greiner Packaging Vordenker:innen aus ganz Europa zusammen, um über aktuelle Herausforderungen und zentrale Themen wie neue Regulatorien, Materialherausforderungen, Nachhaltigkeitsziele sowie Innovationen wie Künstliche Intelligenz zu diskutieren.

Moderator Daniel Cronin führte Gäste aus 16 Ländern souverän durch den Tag. Das Programm war gefüllt mit inspirierenden Keynotes, praxisnahen Breakout Sessions zur vertieften Auseinandersetzung mit ausgewählten Themen sowie zusätzlichen Topic Islands, die zum Austausch über Produktinnovationen und aktuelle Branchentrends einluden.

„The Future is up to us“ – Auftakt von CEO Beatrix Praeceptor

Beatrix Praeceptor, CEO von Greiner Packaging, eröffnete den Future Packaging Day mit einem eindringlichen Appell: „The Future is up to us“ – die Zukunft passiert nicht einfach, wir gestalten sie.

In ihrer Eröffnungsrede stellte Praeceptor die Entwicklungen der Gegenwart in einen größeren Zusammenhang: Eine Zeit, geprägt von wirtschaftlicher Unsicherheit und ökologischem Wandel. Gerade in diesem Umfeld, so betonte sie, stehe die Verpackungsbranche besonders im Fokus: als systemrelevanter Teil globaler Wertschöpfungsketten. Die entscheidende Frage laute nicht, ob wir Verpackungen brauchen, sondern wie sie künftig aussehen müssen. Nachhaltigkeit sei dabei kein „nice to have“, sondern ein geschäftsentscheidender Faktor.

Praeceptor forderte die Teilnehmenden auf, sich aktiv an der Gestaltung dieser Zukunft zu beteiligen. „Gemeinsam können wir Ideen in Wirkung verwandeln – und nachhaltige Verpackung zum neuen Standard machen.“, so ihre klare Botschaft.

Darauf folgten, aufgeteilt auf den Tag, vier Keynotes.

Keynote 1: PPWR & Cen: Auswirkungen auf das Verpackungsdesign

Die erste Keynote des Tages hielt Dr. Dennis Bankmann, Managing Partner bei Emerging Motif und unabhängiger wissenschaftlicher Berater, der einen umfassenden Überblick über die neue EU-Verordnung zu Verpackungen und Verpackungsabfällen (PPWR) gab. Er ordnete sie als eines der komplexesten Regelwerke des europäischen Green Deals ein, das nahezu alle Verpackungen betrifft und ab August 2026 schrittweise Anwendung findet.

Zu Beginn erläuterte Bankmann die zentralen Ziele der PPWR: Abfallvermeidung, Förderung von Wiederverwendung und Recycling sowie eine deutliche Steigerung des Einsatzes recycelter Materialien. Besonders hob er hervor, dass viele Anforderungen bereits feststehen, etwa Vorgaben zu Recyclierbarkeit, Kompostierbarkeit oder dem Einsatz von Rezyklaten, während zahlreiche technische Details noch erarbeitet werden müssen.

Einen Schwerpunkt seines Vortrags bildete die Frage, wie künftig bewertet wird, ob Verpackungen als recyclingfähig gelten. Bankmann erläuterte das geplante Scoring-System, das Verpackungen anhand eines Recyclierbarkeits-Scores (0–100 %) den Kategorien A bis C zuordnet. Diese Methodik wird aktuell entwickelt und soll ab 2026 deutlich mehr Klarheit schaffen.

Darüber hinaus zeigte er auf, welche Rolle die europäische Standardisierung (CEN) einnimmt: Sie liefert technische Grundlagen für die spätere Sekundärgesetzgebung, etwa zu Design-for-Recycling-Kriterien, Testmethoden oder Vorgaben für Mehrweg und Minimierung. Abschließend betonte Bankmann, dass der Weg zur vollständigen Umsetzung der PPWR noch lang sei. Viele entscheidende Regeln entstehen erst jetzt – und Unternehmen sollten sich aktiv in die Standardisierung einbringen, um künftige Anforderungen mitzugestalten.

Keynote 2: Die Rohstoffherausforderung meistern

Die zweite Keynote des Tages wurde von Dr. Richard von Goetze, Director Key Accounts bei Interzero, gehalten. In seinem Vortrag beleuchtete er die wachsende „Feedstock Challenge“ im Kunststoffrecycling, also die Frage, wie die Recyclingindustrie künftig ausreichend geeignetes Material erhält, um regulatorische Vorgaben und Marktanforderungen erfüllen zu können.

Er erklärte, welche Rolle Interzero als etablierter europäischer Kreislaufwirtschaftsakteur dabei einnimmt. Mit umfangreichen Sortier-, Recycling- und Handelskapazitäten für Post-Consumer-Kunststoffe trägt das Unternehmen seit Jahrzehnten zur Schließung von Materialkreisläufen bei.

Von Goetze zeigte auf, dass die verfügbaren Mengen an Leichtverpackungen in Deutschland seit einiger Zeit rückläufig sind und laut Prognosen weiter sinken werden. Dieser Trend übt wirtschaftlichen Druck auf Sortier- und Recyclingbetriebe aus, während gleichzeitig der regulatorische Bedarf an hochwertigem Rezyklat, insbesondere durch die PPWR, stark steigt.

Besonders hob von Goetze hervor, dass die Qualität der Abfallströme maßgeblich vom Verpackungsdesign abhängt. Ein großer Teil der heutigen Verpackungen sei noch nicht recyclingfähig oder nur schwer verwertbar. Daher werde es zunehmend wichtig, diese bislang nicht recyclingfähigen Verpackungen so zu gestalten und zu trennen, dass sie künftig verwertbar werden. Dies sei ein entscheidender Schritt, um bestehende Materialströme besser zu nutzen und Feedstock-Verluste zu vermeiden.

Als zentralen Lösungsbaustein stellte er Interzeros Engagement im chemischen Recycling vor. Als zentralen Lösungsansatz stellte er Interzeros Engagement im Chemical Recycling vor. Gemeinsam mit OMV entsteht in Walldürn eine großtechnische Feedstock-Aufbereitungsanlage, die gemischte Kunststoffabfälle, die bisher meist verbrannt wurden, erstmals systematisch in verwertbares Ausgangsmaterial überführt. Diese Technologie könne wesentlich dazu beitragen, künftige Rezyklatquoten zu erfüllen und Materialengpässe zu vermeiden. 

Zum Abschluss betonte von Goetze, dass Kreislaufwirtschaft nur als gemeinsame Aufgabe entlang der gesamten Wertschöpfungskette funktionieren kann – von Verpackungsdesign über Sortierung bis hin zu innovativen Recyclingprozessen.

Keynote 3: Tesco: Einblicke aus dem Einzelhandel

Die Keynote-Session am Nachmittag wurde von Paul Earnshaw, Lead Packaging Manager bei Tesco – einer der größten Supermarktketten im Vereinigten Königreich – eröffnet. In seinem Vortrag beleuchtete er die Perspektive des Einzelhandels auf nachhaltige Verpackungslösungen. Zu Beginn betonte Earnshaw, wie wichtig klare und einheitliche Kommunikation für erfolgreiches Recycling ist. Anhand unterschiedlich gefärbter Mülltonnen aus verschiedenen Ländern zeigte er, wie verwirrend die aktuellen Systeme für Konsument:innen sind. „Wir müssen Recycling für Konsument:innen so einfach und intuitiv wie nur möglich machen“, forderte er.

Aus Kundensicht steht vor allem der Wunsch nach weniger Verpackung – insbesondere weniger Kunststoff – im Fokus. Gleichzeitig mahnte Earnshaw, dass es mehr Aufklärung brauche: Kunststoff sei nicht grundsätzlich umweltschädlich. Jedes Material – ob Kunststoff, Glas oder Papier – habe spezifische Vor- und Nachteile und damit seine berechtigte Rolle in nachhaltigen Verpackungslösungen. Im Anschluss stellte er Tescos „Planet Plan“ vor, der vorsieht, sämtliche Verpackungen recycelbar zu gestalten und unnötiges Material zu reduzieren. Zentrale Elemente sind das in Großbritannien etablierte „RAG-System“ (Rot–Gelb–Grün) zur Bewertung der Recyclingfähigkeit.

Abschließend betonte Earnshaw, dass nachhaltige Lösungen für Verbraucher:innen kostenneutral bleiben müssen. Während „Paperization“ an Dynamik gewinnt, funktionieren Wiederverwendungssysteme bislang selten im großen Maßstab. Sein Appell: Verbraucher müssten aktiv geschult werden – echte Nachhaltigkeit entstehe nur gemeinsam.

Keynote 4: Smarte Lösungen: Wie KI das Kunststoffrecycling verändert

Den Abschluss machte Volker Muche, Managing Director von Pacoon Sustainability zum Thema „Smarte Lösungen: Wie KI das Kunststoffrecycling verändert.Volker Muche begann seine Rede anhand des Projektbeispiel „KIOptipack“ und erläuterte, wie künstliche Intelligenz die Sortierung, Gestaltung und Verarbeitung von Verpackungen optimiert – etwa durch Echtzeit-Qualitätskontrollen, digitale Zwillinge und Riechtests.

KI hilft, Designfehler frühzeitig zu erkennen, Prozesse zu stabilisieren und nachhaltige Alternativen schneller zu entwickeln. Trotz der Chancen betonte Muche auch Herausforderungen wie Datenverfügbarkeit, Datenschutz und ethische Fragen. Seine Botschaft: KI ist ein Schlüssel zur Transformation von der Einwegwirtschaft hin zur Kreislaufwirtschaft.

Breakout-Sessions

Neben den Keynotes sorgten sechs Breakout Sessions für zusätzliche Impulse. Jede:r Teilnehmer:in konnte an zwei Sessions teilnehmen:

Dennis Bankmann, Gründer von Emerging Motif, zeigte, welche Elemente einer Konformitätsbewertung laut PPWR erforderlich sein werden und wie diese Bewertung voraussichtlich durchgeführt werden kann.

Stefan Ebli, Head of Design & Prototyping bei Greiner Packaging, zeigte, wie durch intelligentes Design Material eingespart, Nachhaltigkeit gesteigert und Emissionen reduziert werden können.

Fabian Grabner, Global Product Group Manager, und Antonius Kampouris, Sales Director Schweiz, boten in dieser Breakout Session Einblicke in den Greiner Packaging Entwicklungsprozess, sprachen über technische Herausforderungen und wie sie die zunehmende Komplexität der Recyclinganforderungen begegnen.

Florian Aschermayer, Global Senior Expert Sustainable Material Excellence bei Greiner Packaging, gab Einblicke in die Herausforderungen der Recyclateinführung und zeigte Strategien auf, wie diese erfolgreich bewältigt werden können.

Doris Vollgruber, Expert Climate von Greiner AG zeigte gemeinsam mit Diana Strasser, Global Expert Life-Cycle Assessment bei Greiner Packaging, Einblicke, wie Greiner Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette misst und steuert, von der Datenerhebung und der Product Carbon Footprint Berechnung bis hin zur Kommunikation mit Kunden.

Alice Rackley, CEO von Polytag, demonstrierte, wie QR-Codes und UV-Tags eine präzise Erkennung und Sortierung von Verpackungen ermöglichen – bis auf Barcode-Ebene – und so zur Schließung von Materialkreisläufen beitragen.

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