Addressing the Feedstock Challenge: Wie Interzero den Rohstoffmangel im Kunststoffrecycling angeht

05.02.2026 | 4 Minuten Lesezeit

Beim Future Packaging Day 2025 in Oberwaltersdorf rückte ein Thema besonders in den Fokus: die Frage, wie die Recyclingbranche künftig ausreichend hochwertiges Material (Feedstock) sichern kann, um die wachsenden regulatorischen Anforderungen zu erfüllen. In seinem Vortrag „Addressing the Feedstock Challenge“ zeigte Richard von Goetze von Interzero eindrucksvoll auf, wie sich Marktbedingungen verändern, und weshalb neue technologische und strategische Ansätze notwendig sind, um eine echte Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. 

Ein Markt im Wandel

Interzero zählt zu den erfahrensten Unternehmen im europäischen Recycling- und Kreislaufwirtschaftssektor. Mit über 30 Jahren Branchenerfahrung, rund 2.000 Mitarbeitenden in zehn Ländern und über 80.000 Kunden verfügt das Unternehmen über eine beeindruckende Basis, um Veränderungsprozesse aktiv zu gestalten  

Unsere Vision ist eine Welt ohne Abfall. Eine lebenswerte Welt  für heute und die Generationen von morgen.

Richard von Goetze, Keynote Speaker am Future Packaging Day

Die Vision ist klar formuliert: „Eine Welt ohne Abfall“ - ein Anspruch, der gleichzeitig Motivation und Verpflichtung ist. Doch die Realität macht diesen Weg anspruchsvoll. In Deutschland etwa gingen die Mengen an Leichtverpackungsabfällen (lightweight packaging, LWP) zuletzt deutlich zurück und dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen. Für die Branche bedeutet das: Weniger Input, höhere wirtschaftliche Belastung und gleichzeitig wachsende Qualitätsanforderungen an Rezyklate. 

Interview mit Richard von Goetze

Im Interview erklärt Richard von Goetze, wie sich Lebensmittelverpackungen in Zukunft verändern werden.

Interview with Richard von Götze

Rückläufige Abfallmengen, steigende Anforderungen

Von Goetze präsentierte Projektionen, wonach die Mengen an Haushaltsverpackungsabfällen bis 2035 weiter sinken könnten. Die Gründe reichen von politischen Vorgaben wie der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (Packaging and Packaging Waste Reguation, PPWR) bis hin zu geänderten Konsumgewohnheiten und Verpackungssubstitutionen.  

Kunststoffverpackungen bleiben dabei ein zentrales Element moderner, sicherer und funktionaler Verpackungssysteme, und ihre Recyclingfähigkeit entwickelt sich dank technologischer Innovationen kontinuierlich weiter. Gleichzeitig machte der Vortrag deutlich, dass die Qualität der im Markt befindlichen Verpackungen einen großen Einfluss auf die Recyclingprozesse hat. Komplexere Strukturen oder Mehrschichtmaterialien stellen für viele Sortier- und Recyclinganlagen heute noch eine Herausforderung dar, weshalb branchenweite Design-for-Recycling-Initiativen zunehmend an Bedeutung gewinnen. 

Besonders im Bereich papierbasierter Verbunde entstehen derzeit viele neue Konzepte, allerdings sind viele davon aus Recyclingperspektive noch schwer zu handhaben, da sie mehrere Materialschichten vereinen. Eine wichtige Ausnahme hob von Goetze jedoch hervor: Greiner Packagings K3® r100, dessen innovativer Aufbau eine selbstständige Trennung von Kartonwickel und Kunststoffbecher ermöglicht und somit ein Best-Practice-Beispiel für recyclingfreundliche Verpackungsinnovation darstellt. 

Gleichzeitig wächst der Bedarf an Rezyklaten enorm. Die Verpackungsindustrie muss künftig aufgrund der PPWR deutlich höhere Rezyklatanteile einsetzen, was die Nachfrage nach hochwertigen Regranulaten weiter steigen lässt. Zwar rechnen Expert:innen langfristig mit einem Kapazitätsausbau im mechanischen Recycling, doch kurzfristig wirkt der Markt volatil: niedrige Rezyklatpreise reduzieren die Wirtschaftlichkeit der Recycler und bremsen wichtige Investitionen, was die notwendige Transformation erschwert. Studien zeigen: Die Rezyklatlücke in der EU wird bis 2030 auf über eine Million Tonnen ansteigen.   

Future Packaging Day at Packworld

Die Rolle des chemischen Recyclings

Während mechanisches Recycling weiterhin das Fundament der Kreislaufwirtschaft bleibt, sieht Interzero im chemischen Recycling einen entscheidenden zusätzlichen Baustein. Besonders für Materialströme, die heute kaum oder gar nicht wiederverwertet werden können, etwa komplexe, gemischte Kunststoffabfälle, bietet diese Technologie neue Möglichkeiten. 

Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt ein zentrales Detail aus dem Vortrag: Von den deutschen LWP-Abfällen können heute nur etwa 50 % über sortenreine Fraktionen tatsächlich dem mechanischen Recycling zugeführt werden. Weitere rund 25 % entfallen auf die sogenannte Fraktion 350, einen Materialstrom bestehend aus Mischkunststoffen, der bislang fast vollständig thermisch verwertet wird. Genau diese Fraktion soll künftig der Rohstoff für chemisches Recycling werden. 

Gemeinsam mit OMV baut Interzero derzeit eine großskalige Feedstock-Preparation-Anlage in Walldürn. Sie soll gemischte Kunststoffabfälle so aufbereiten, dass sie als hochwertiger Input für chemische Recyclingprozesse dienen können. Die Anlage nutzt modernste Sortiertechnik, wird teilweise mit erneuerbarer Energie betrieben und soll 2026 in Betrieb gehen. Ziel ist es, aus der Fraktion 350, die heute fast vollständig verbrannt wird, verwertbare PET- und PO-Fraktionen zu erzeugen, um den Anteil der LWP-Mengen, der recycelt werden kann zu steigern und mehr Wertstoffe vor der Verbrennung zu retten. 

Feedstock sichern: ein gemeinsamer Auftrag

Ein zentrales Fazit des Vortrags lautet: Die Herausforderung der Rohstoffsicherung ist eine geteilte Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie erfordert Maßnahmen auf mehreren Ebenen: 

  • Verpackungsdesign: Entwicklung von recyclingfähigen und Monomaterialprodukten 
  • Verbraucherbildung und -beteiligung: Förderung der korrekten Entsorgung und Trennung von Verpackungen 
  • Technologische Unterstützung: Verbesserung von Sortier- und Recyclingtechnologien 
  • Einheitlich regulierter europäischer Markt: Harmonisierung der EU-Vorschriften, wie der PPWR, zur Ermöglichung grenzüberschreitender Kreislaufmodelle. 

Die derzeit noch fragmentierte Recyclinglandschaft in Europa soll durch die PPWR harmonisiert werden, was künftig bessere Voraussetzungen für grenzüberschreitende Kreislaufmodelle schaffen kann. 

Fazit 

Der Vortrag von Richard von Goetze machte deutlich: Die Branche steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Sinkende Abfallmengen, steigende Qualitätsanforderungen und volatile Märkte verlangen neue Lösungen, und chemisches Recycling ist ein zentraler Baustein, um diese Lücke zu schließen. Doch die Technologie allein reicht nicht. Nur durch Kooperation, kluge Regulierung und innovationsfreudige Unternehmen lässt sich die Vision einer echten Kreislaufwirtschaft verwirklichen. 

Interzero positioniert sich dabei klar als Vorreiter, und zeigt, dass die Feedstock Challenge lösbar ist, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. 

Interview mit Richard von Götze

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