Zurück | 13.11.2019

Recyclingmaterialien – ein Überblick

Vorreiter r-PET

Greiner Packaging hat sich in den vergangenen Monaten verstärkt mit dem Einsatz von r-PET beschäftigt – das einzige Material, das – wird es aus PET-Flaschen gewonnen – im Moment über eine positive EFSA-Opinion für Lebensmittelver­packungen verfügt. Das Material kommt im Unter­nehmen derzeit bereits für Spritzstreckblasflaschen zum Einsatz, etwa für Honig- und Saucenflaschen. Diese bestehen zu rund 30 Prozent aus Recycling­material. Auch an 100-Prozent-r-PET-Bechern für die Milch- und Nahrungsmittelindustrie wird gearbeitet, diese sind derzeit allerdings noch nicht serien­fähig. Neben Flaschen werden aber bereits tiefge­zogene Deckel aus r-PET produziert. „r-PET ist für uns ein großes Thema“, erzählt Stephan Laske, R&D Director bei Greiner Packaging. „Wir gehen davon aus, dass der Einsatz des Materials in Zukunft weiter zunehmen wird, da das mechanische Recycling in dieser Kategorie bereits gut funktioniert und weiter ausgebaut werden kann. Am Markt erhältlich ist außerdem auch agro-basiertes PET mit rund 23 bis 25 Prozent Bio-Anteil – etwa Zuckerrohr aus Taiwan. Diese Materialien werden ebenfalls weiter zunehmen, auch bio-basiertes und chemisch recyceltes Material wird unserer Meinung nach zukünftig eine große Rolle spielen.“ Großes Potenzial sieht Greiner Packaging auch in r-PET-Trays – diese werden aus 100 Prozent Rezyklat von PET-Trinkflaschen produziert. Bei Bedarf können diese auch aus Material hergestellt werden, das von der EFSA positiv bewertet wurde, sie können damit bedenkenlos im Lebensmittelbereich – etwa als Tray für Joghurtverpackungen – eingesetzt werden. Der Vorteil: Karton-Trays, die bisher oft für Joghurt zum Einsatz kommen, können im Kühlregal schnell feucht werden und können dadurch eine Migration von Schadstoffen aus den Kartontrays in das Lebensmittel begünstigen. Diese Sorge entfällt mit r-PET-Lösungen. Ebenfalls ideal für den Handel: r-PET-Trays bieten aufgrund ihrer Transparenz maximale Visibilität, die nachhaltige Lösung ist im Regal optimal erkennbar. Die Trays unterstützten außerdem die Stabilität und verhindern damit das Herausfallen des Produkts aus dem Verkaufsregal. Auch zum Transport eignen sich die leichten Trays hervorragend – Kunden von Greiner Packaging können sich davon sogar in eigenen Transport­tests überzeugen. r-PET-Trays sind zudem eine nachhaltige Verpackungslösung: Es werden weder Lackbeschichtungen noch chemische Farbmittel oder Lösungen eingesetzt.

Best-Practice-Beispiel r-HDPE

Neben r-PET ist r-HDPE das einzige Material, das über eine FDA-Recyclingnummer – wenn auch keine der EFSA – verfügt. Produkte für die Kosmetikin­dustrie können deshalb aus dem Material hergestellt werden, ein Lebensmittelkontakt ist in Europa – mit Ausnahme der Milchverpackungen in UK – jedoch (noch) nicht zulässig. Bei Greiner Packaging wird PE derzeit vor allem für Flaschen im Non-Food-Be­reich eingesetzt, durch mechanisches Recycling kann auch hier mit Recyclingmaterial gearbeitet werden. „Wir gehen davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren auch chemisches Recycling zum Thema wird. Auch nicht-fossile-Materialien, die es derzeit bereits auf dem Markt gibt, können eingesetzt werden – auch im Lebensmittelbereich“, so Bettina Carow, Group Category Manager Plastics bei Greiner Packaging. Für das norwegische Unternehmen Orkla hat Greiner Packaging schon vor einigen Monaten eine Shampoo-Flasche aus 100 Prozent r-HDPE auf den Markt gebracht.

Nachhaltiges r-PP

Noch über keine Lebensmittelzulassung verfügt r-PP – auch wenn unterschiedliche Materialhersteller bereits versuchen, diese Situation zu ändern. Für Lebensmittelverpackungen wird zukünftig wohl eine Kombination aus mechanisch recyceltem Material und einer Beschichtung zum Einsatz kommen. Für Non-Food-Anwendungen wird mechanisch recyceltes Material bereits erfolgreich verwendet. „Auch hier gehen wir davon aus, dass sich die Mengen an Recyclingmaterial durch die Anwendung von chemischem Recycling in Zukunft deutlich erhöhen werden. PP ist im Gegensatz zu PET leichter und dadurch nachhaltiger“, betont Carow.

Unsichere Zukunft für PS

Nicht eindeutig einzuschätzen ist der zukünftige Einsatz von PS: Das Material könnte von chemisch recyceltem PS ersetzt werden, aber auch PET, PP, PE, r-PET, r-PP und r-PE stellen eine Alternative dar. Bis chemisch recyceltes PS industriell verfügbar ist, wird es wohl noch drei bis fünf Jahre dauern, die einzige Möglichkeit, um das Material vor einem gänzlichen Verschwinden am Markt zu bewahren.