Zurück | 01.04.2019

Plastic planet

Die Zeit tickt: Sind Rezyklate ein Ausweg aus der Plastikfalle?

Sie könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein – und doch haben Wattestäbchen, Luftballons, Zigarettenfilter und Getränkebecher einen gemeinsamen Nenner: Sie zählen zu den Wegwerfartikeln, die am häufigsten an Stränden und in Meeren gefunden werden. Weltweit machen Kunststoffe bereits einen Anteil von 85 Prozent der Abfälle an Stränden aus, alleine in Europa werden jährlich 25 Millionen Tonnen Kunststoffmüll produziert. Diesem Umstand will die Europäische Union ab sofort deutlich entgegenwirken – mit spürbaren Konsequenzen für Unternehmen und Konsumenten. Doch kann damit der Weg aus der Plastikfalle gelingen?

„Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische“. Frans Timmermans, Erster EU-Kommis­sionsvizepräsident, findet in seiner Beurteilung der aktuellen Lage deutliche Worte. „Die einzige langfristige Lösung besteht darin, Kunststoffab­fälle zu reduzieren, indem wir sie verstärkt recyceln und wiederverwenden.“ Die Pläne, die Mitte Januar 2019 von der Europäischen Kommission vorgelegt wurden, sehen eine Recyc­lingfähigkeit aller Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt ab 2030 vor, der Verbrauch von Einweg­kunststoffen soll reduziert und die absichtliche Verwendung von Mikroplastik beschränkt werden.

Kunststoffverpackungen im Visier

Bei rund zwei Dritteln aller Kunststoffabfälle handelt es sich um Verpackungen, weshalb in diesem Bereich besonders großer Handlungs­bedarf besteht. Das Europäische Parlament, der Rat und die Kommission erzielten im Dezember 2018 eine vorläufige politische Einigung auf spezielle Ziele für Verpackungen und eigene Ziele für Kunststoffver­packungen: 50 Prozent der Kunststoffverpackungen sollen bis 2025 recycelt werden, 2030 sollen es gar 55 Prozent sein. Um diese Ziele tatsächlich zu erreichen, müssen – neben weiteren Maßnahmen – Verpackungen zukünftig besser designt und herge­stellt werden. An diesem Punkt sind die Hersteller von Kunststoffverpackungen gefragt.

Greiner Packaging ist als Teil des Familienunternehmens in puncto Nachhal­tigkeit äußerst aktiv: Als Partner der britischen Ellen MacArthur Foundation unterstützt das Unter­nehmen den Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft, Kunststoffabfall soll durch unterschiedliche Initia­tiven entgegengewirkt werden. Die Ziele, die sich Greiner Packaging dabei gesetzt hat, sind durchaus ehrgeizig: Problematische oder unnötige Kunststoff­verpackungen sollen bis 2025 eliminiert werden und 100 Prozent der Kunststoffverpackungen sollen bis 2025 zu 100 Prozent wiederverwendbar, wieder­verwertbar oder kompostierbar sein. Gleichzeitig soll bis zu diesem Zeitpunkt auch ein erheblicher Teil des Materialeinsatzes durch Recyclingmaterial abgedeckt werden.

Innovative Ansätze sollen helfen, die Rezyklier-fähigkeit zu verbessern

Dass sich solche Ziele nicht von heute auf morgen realisieren lassen, versteht sich von selbst: Neue Ansätze sowie innovative Lösungen brauchen Zeit und werden deshalb innerhalb des Unternehmens umfangreich getestet und weiterentwickelt. Eines der Kernprojekte ist dabei „Design for Recycla­bility“: Um die Recyclingquoten von Verpackungen zu erhöhen, braucht es Verpackungslösungen, die bereits von Anfang an gemeinsam mit dem Kunden auf ihre Recyclingfähigkeit hin entwickelt werden. Gut recyclingfähig sind etwa transparente Ver-packungen beziehungsweise Verpackungen, die nur dezent eingefärbt werden, deren Dekoration sich leicht von der Verpackung trennen lässt und die möglichst aus einem Rohstoff – das heißt aus einem Grundmaterial – hergestellt werden.

Obwohl die Recyclingfähigkeit der Produkte ein wichtiger Aspekt der Kreislaufwirtschaft ist, legt Greiner Packaging auch Wert auf die Reduzierung des Gesamt-CO2- Verbrauchs einer Verpackung. K3®-Verpackungen erzielen beispielsweise einen um 24 Prozent besseren CO2-Fußabdruck als reine Kunststoffverpackungen (verglichen mit konventionellen direktbedruckten, tiefgezogenen Bechern mit 95 mm Durchmesser und 500 ml Füllvolumen).

Einsatz von Rezyklaten als komplexe Materie …

Neben einem veränderten Verpackungsdesign, ist bei Greiner Packaging derzeit außerdem der Einsatz von Rezyklaten ein wichtiges Thema. Der Einsatz von recycelten Kunststoffen ist für die Kunststoffex­perten in der Produktentwicklung von Bedeutung – doch die vermehrte Verwendung von Rezyk­laten bringt noch zahlreiche Herausforderungen mit sich:

… im Food-Bereich …

Bei der Auswahl von Recyclingmaterialien muss stark auf die Art der Anwendung geachtet werden: Im Lebensmittelbereich wurden bereits Maßnahmen getroffen, um nachhaltige Verpackungslösungen auf ein neues Niveau zu heben. Das erfordert umfangreiches Know-how und Erfahrung – die Regularien der European Food Safety Authority (EFSA) für den Einsatz von Rezyklaten in Lebens­mittelverpackungen sind streng und legen genau fest, welche Materialien verwendet werden dürfen. Eines davon ist r-PET, auf das sich auch Greiner Packaging in aktuellen Projekten konzentriert. r-PET ist unter bestimmten technologischen Voraus­setzungen und mit spezi­fischen Qualitäts- und Migrationseigenschaften für Lebensmittelverpackungen zugelassen: Dabei muss das Material zu mehr als 95 Prozent aus einem Stoffstrom stammen, der nachgewiesener­maßen bereits für Nahrungsmittelanwendungen verwendet wurde. Außerdem muss das rezyklierte Material alle Bestimmungen für Nahrungsmittel-kontaktmaterialien erfüllen – genau wie Neumaterial. Welche Verpackungen überhaupt als recyclingfähig gelten, unterliegt nationalen Gesetzgebungen – eine komplexe Situation für Unternehmen, die weltweit tätig sind. Kriterien wie diese tragen dazu bei, dass recyceltes Material im Moment oft noch Mangelware ist.

… und Non-Food-Bereich

Im Non-Food-Bereich kommt r-PET auch bei Trays oder Blistern zum Einsatz. Dort kann – je nach Kundenanforderung – mit unterschiedlich hohem Recyclingmaterialanteil gearbeitet werden. Im Non-Food-Bereich ist neben r-PET auch der Einsatz von r-PO möglich (deren vielfältige Herstel­lungs- und Anwendungsmöglichkeiten derzeit noch eine genaue Zuordnung zu einem Stoffstrom verhindern und damit einen Einsatz im Food-Be­reich unmöglich machen). Greiner Packaging setzt r-PO vor allem bei Paletten ein – diese punkten im Vergleich zur Traglast mit ihrem geringen Gewicht und ihren hervorragenden Hygieneeigenschaften. Doch auch Produkte für die Wasch-, Putz- und Reinigungsindustrie werden derzeit von Greiner Packaging mit r-PO getestet, eine Shampoo-Flasche für das norwegische Unter­nehmen Orkla, die aus fast 100 Prozent r-HDPE besteht, befindet sich schon auf dem Markt. Wichtig ist Greiner Packaging auch das Recycling interner Abfälle – über 95 Prozent davon werden wieder­verwendet und für neue Produkte herangezogen. Mit dem recycelten Material werden einerseits die bereits erwähnten Paletten produziert, andererseits wird es in die mittlere Schicht neuer Folien einge­bracht – so können auch Verpackungslösungen produziert werden, die in Food-Kontakt stehen.

Für eine lebenswerte Zukunft

Kunststoffe haben in den vergangenen Jahrzehnten die Alltagswelt von Menschen verändert und in vielerlei Hinsicht einfacher und bequemer gemacht. Die kritischen Auswirkungen des Materials wurden lange Zeit ignoriert oder nicht ernst genommen. Doch diese Zeiten sind nun vorbei. Und auch wenn ein Land, ein Unternehmen, das bestehende weltweite Wirtschaftssystem nicht allein revolutionieren kann, so trägt doch jede Anstrengung dazu bei, das Thema im Bewusstsein zu halten und zu Verhaltens­änderungen zu motivieren. Den verstärkten Einsatz von Rezyklaten sieht Greiner Packaging als Chance, eine tragfähige Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe in Gang zu bringen.