Alternatives Material, Design for Recycling, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit, Recycling

r-PS und die Kreislaufwirtschaft

22.07.2021 | 3 Minuten Lesezeit
Tobias Strasser

Mit dem Ziel, bis 2025 so viel recyceltes Material wie möglich in seinen Produkten zu verwenden, ist Greiner Packaging ein Vertreter von Materialdiversität. Der Großteil des ersten Nachmittags der Innovation Days 2021 war deshalb unterschiedlichen Materialien gewidmet – darunter r‑PET, r-PP und Bioabfall-basierte Materialien. Nachfolgend eine Rückschau der Session zu den Möglichkeiten in Zusammenhang mit recyceltem Polystyrol (r-PS).

Die Zukunft des Lebensmittelkontaktes: Zirkuläres Polystyrol

Tobias Strasser, Managing Director von Greiner Packaging Schweiz, und Jens Kathmann, Secretary General bei Styrenics Circular Solutions (SCS), berichteten, wie mithilfe von recyceltem Polystyrol (r-PS) das Recycling von lebensmittelgeeigneten Materialien im geschlossenen Kreislauf mittlerweile über PET-Flaschen hinaus auf neue Food-Anwendungen ausgedehnt werden kann.

„Styrenics Circular Solutions arbeitet daran, das einzigartige Potenzial von Polystyrol für vollständige Zirkularität durch den Einsatz wegweisender Technologien und Lösungen zu erschließen. Recyceltes Polystyrol in Lebensmittelqualität bietet neben sämtlichen Verarbeitungs- und Umweltvorteilen von Polystyrol den zusätzlichen Nutzen, ein vollständig zirkuläres Polymer mit günstigem ökologischem Fußabdruck zu sein“, erklärte Jens Kathmann.

„Polystyrol ist weit verbreitet und findet vielfache Anwendung im Bereich Lebensmittelverpackungen und Lebensmittelkontakt. Beim Recycling kann es leicht in seine verschiedenen Typen sortiert werden – und dank der präzisen Sortierung lassen sich die Eigenschaften der Rezyklate für die gewünschten Anwendungen genau kontrollieren.“

Er erläuterte den Gewinnungsprozess von Post-Consumer PS-Feedstocks für den Einsatz bei Milchprodukten: Am Anfang steht die Sortierung der PS-Verpackungsabfälle. Ziel ist es, nicht lebensmittelgeeignetes weißes HIPS (High Impact Polystyrene, also schlagfestes Polystyrol) auszuscheiden. Mittels Screenings und Nahinfrarottechnologie (NIR) können 97 % lebensmittelgeeignetes weißes HIPS erreicht werden. Durch das Hinzufügen von intelligenten Sortiertechnologien kann dieser Anteil auf 99 % erhöht werden.

Dieser Prozess verhindert den Eintrag von Abfall in die Umwelt und führt uns weg vom überholten, linearen "Nehmen, benutzen und entsorgen"-Prinzip – hin zu einem zirkulären Ansatz mit geschlossenen Kreisläufen.

Jens Kathmann, Secretary General bei Styrenics Circular Solutions (SCS)

Im Weiteren beschrieb er die drei wichtigsten energiesparenden Kunststoff-zu-Kunststoff-Recyclingtechnologien, die SCS zur Schaffung eines geschlossenen PS-Recyclingkreislaufs für lebensmittelgeeignetes Material einsetzt. Alle drei, so Kathmann, besitzen einen wesentlich kleineren CO2-Fußabdruck im Vergleich zur Neuwarenproduktion und Verbrennung. Mechanisches Recycling für den Lebensmittelkontakt ist hinlänglich bekannt und ähnelt dem bei PET angewendeten Prozess; Auflösung ist ein umweltfreundlicher Vorgang, der die Trennung vermischter Kunststoffe durch selektive Auflösung und dadurch reine und hochwertige Rezyklate ermöglicht; Depolymerisation erlaubt schließlich r-PS in Neumaterialqualität – also ein Material, das immer wieder erneut chemisch recycelt werden kann.

SCS führte erfolgreiche Challenge-Tests mit den Super-Cleaning-Technologien von NGR und Gneuss durch, die bestätigten, dass Polystyrol über mechanisches Recycling in hohem Maße lebensmitteltauglich recycelt werden kann. Nach den ausgezeichneten Challenge-Test-Ergebnissen wurde ein erster Antrag auf EU-Zulassung von mechanisch recyceltem Polystyrol als Lebensmittelkontaktmaterial eingereicht. In der Regel hat die EFSA sechs Monate nach Erhalt des gültigen Antrags Zeit, ihre Stellungnahme abzugeben, und es sind bereits erste Fragen eingegangen.

r-PS zeigt im Extrusion- bzw. Form-Fill-Seal-Bereich (FFS) das gleiche Verarbeitungsverhalten wie Neupolystyrol und ist eine Drop-in-Lösung für Verarbeiter und Markeneigentümer.

Das besondere Potenzial von Polystyrol für vollständige Zirkularität

„Die Botschaft: ‚Move to Zero. Zero Waste. Zero CO2. Powered by Styrenics‘ verweist auf die einzigartige Kreislauffähigkeit von Polystyrol im Lebensmittelkontakt und seine sehr günstige Umweltbilanz, die durch eine Lebenszyklusanalyse von r-PS im Lebensmittelkontakt nachgewiesen wurde“, schloss Kathmann und übergab dann an Tobias Strasser, der den Erfolg eines kürzlich durchgeführten Produktversuchs mit r-PS präsentierte.

Bei der Ausschöpfung des besonderen Potenzials von Polystyrol für vollständige Zirkularität sind hervorragende Fortschritte erzielt worden. Wir können r-PS jetzt als Drop-in-Lösung für Joghurtbecher bestätigen. Es verhält sich bei der Bearbeitung genau wie Neumaterial und benötigt keine Anpassungen; auch die Produktivität der Anlagen bleibt identisch. Es besitzt dasselbe Aussehen, dieselbe Haptik und denselben ‚Knack‘, ohne geruchliche oder geschmackliche Auswirkungen auf das Joghurt.

Tobias Strasser, Managing Director von Greiner Packaging Schweiz

„Wir haben r-PS bereits erfolgreich bei Joghurtbecher-Multipacks eingesetzt. In Zusammenarbeit mit M-Industrie, einer Tochter des größten Schweizer Einzelhändlers Migros, und dem größten Schweizer Molkereibetrieb, der Gruppe ELSA-Mifroma, nutzt unsere K3® Karton-Kunststoff-Kombination nun erstmals 100 % mechanisch recyceltes PS mit 100 % recyceltem Karton.“

„Das Befüllen der r-PS Joghurtbecher bei ELSA verlief glatt, ohne dass irgendwelche Parameter verändert werden mussten. Der r-PS Joghurtbecher besitzt dieselben Eigenschaften, denselben ‚Look and Feel‘ wie ein aus Neumaterial hergestellter Becher, und er hat alle Tests bestanden: von Haltbarkeit über Logistik bis hin zu sensorischen Tests, bei denen kein Tester einen sensorischen Unterschied aufgrund der Verwendung des neuen r-PS Materials feststellen konnte.“

„Parallel zur Beantragung einer europäischen Zulassung bei der EFSA arbeiten wir auch an einer Genehmigung durch die Schweizer Behörden. Mit positiven Gutachten sind wir davon überzeugt, dieses Produkt bald auf den Markt bringen zu können.“

 

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